Mir wird schon nichts passieren!

Mir wird schon nichts passieren

„Mir wird schon nichts passieren!“ ist die Einstellung von vielen Mitarbeitern. Warum auch nicht? Nahezu niemand geht auf die Arbeit und denkt: „Ich werde mich heute verletzen!“. Auch wenn es etwas pessimistisch klingt, sollten die Angestellten stattdessen trotzdem besser denken: „Ich könnte mich heute verletzten, also werde ich alle erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen treffen, um dem vorzubeugen“.

Mein Mann, Russ, hatte auch die „Mir wird schon nichts passieren!“ Einstellung. Er ist am Morgen des achten Novembers 1995 aufgestanden, schaute nach unserem zweijährigen Sohn Spencer, gab mir einen Abschiedskuss und ging auf seine Arbeit.

Als selbst ernannter Mensch mit hoher Risikobereitschaft hat Russ oft nach dem einfachsten und schnellsten Weg auf der Arbeit gesucht. Es war ein typischer Regentag in Washington. Russ und sein Team sollten die Außenseite einer Zellstofffabrik mit einer Hochdruckwäsche reinigen. Sobald das Gerüst aufgebaut war, wurden alle Mitarbeiter zu einem Sicherheitsmeeting gerufen. Russ war einfach nur davon genervt, aber er hat seine Teilnahme unterschrieben und war froh, wieder draußen im Regen zu stehen. Auch heute erinnert er sich nicht, was genau in diesem Meeting besprochen wurde.

Das Team ging bis zur Mittagspause an die Arbeit. Nach dem Essen wurden die Mitarbeiter zu einer weiteren Sicherheitsbesprechung gerufen. Russ dachte nur: „Nicht noch eine…“. Er schnappte sich einen Schokoriegel, legte die Füße hoch, und hörte dem Sicherheitsbeauftragten, der über die Absturzsicherungen sprach, nicht weiter zu.

Nach dem Meeting arbeitete er weiter mit seinem Team auf dem Gerüst. Während der Arbeiten dachte er, dass sein Verbindungsmittel zu kurz ist, also hakte er sich kurzerhand aus. Sein Arbeitskollege schüttelte den Kopf und warnte ihn, dass dies eine sehr schlechte Idee sei. Russ ignorierte ihn. Um seiner Arbeit nachzugehen und um dabei besseren Halt zu bekommen kletterte er auf einen Handlauf. Das ungute Gefühl das ihn dabei befiel ignorierte er. Stattdessen redete er sich ein, dass, wenn er wirklich abstürzen würde, es noch genügend Rohre und Querträger gäbe, an denen er sich mit seinen schnellen Reflexen festhalten könne. Sogar während er stürzte, dachte er noch: „Ich kann mich einfach abrollen und weitergehen.“

Selbst als er aus der MRT-Maschine kam und der Arzt ihm sagte, dass sein Rückenmark durchtrennt wurde und er nie wieder laufen werden kann, dachte er: „Ja, klar… Ich bin jung und stark. Vielleicht dauert es ein paar Monate, aber ich werde wieder so gut wie neu sein.“

Das war vor 18 Jahren! – Seitdem lebt er als Querschnittsgelähmter. Heute sagt Russ: „Es ist mir passiert und es kann auch dir passieren, wenn du denkst, dass du dich selbst retten kannst und weiterhin ungesichert arbeitest! Denk an deine Familie, während du auf der Arbeit bist. Ich wünschte, ich hätte damals an meine Familie gedacht.“ Für uns ist kein Tag mehr so wie früher. Familienbeziehungen wurden angespannter, unser Heim und unsere Fahrzeuge mussten angepasst werden und Berufe gingen verloren. Einige unserer Lieblingsorte wurden unzugänglich, Freunde verschwanden und wir verbrachten zahlreiche Tage in Warteräumen infolge von Komplikationen der Querschnittslähmung (22 Operationen in den letzten 15 Jahren). Unser Sohn Spencer bekam nie die Möglichkeit, ein großer Bruder zu werden und die Lebenserwartung von Russ ist geringer... und das alles infolge einer Entscheidung in Sekundenbruchteilen.

Der Unfall hätte auf zahlreich Arten vermieden werden können. Hätte Russ bei dem Absturzsicherungs-Training aufgepasst oder zumindest bei nur einem der Sicherheitsbesprechungen an diesem Tag, dann wäre es wahrscheinlich nicht passiert. Als er dachte sein Verbindungsmittel sei zu kurz, hätte er die Aufsichtsperson fragen können, wie er sich verhalten soll. Wenn er auf seinen Arbeitskollegen gehört hätte, als dieser ihn warnte oder wenn er zumindest auf sein ungutes Gefühl gehört hätte – dann hätte sich unser Leben nicht so drastisch im nächsten Moment geändert. – Doch es ist zu spät. Russ und ich reisen jetzt durch die USA, um Angestellte zu warnen, die jeden Tag mit der Einstellung „Das wird mir nicht passieren!“ auf die Arbeit gehen. Wir möchten denen zeigen, dass es sich nicht lohnt, ohne Absturzsicherungsmaßnahmen zu arbeiten.

Quelle: Übersetzung des Beitrages It Won’t Happen to Me! von Laurel Youngstrom
Wenn Sie mehr über die Geschichte von Russ Youngstrom und seiner Frau Laurel erfahren wollen, dann besuchen Sie deren Internetseite: Lessons In Personal Accountability – A message that saves workers lives!

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