Wie überwinde ich meine Angst vor dem Fallen?

Angst vor dem Fallen

Die Angst vor dem Fallen ist natürlich. Früher wurde angenommen, dass die Angst nur durch eine traumatischen Erfahrung zustande kommt. Heute ist bekannt, dass eine gewisser Respekt vor dem Fallen angeboren ist. Der Grund für diese Vorsicht ist – nicht überraschend – das Bewusstsein über die auf der Erde vorherrschende Schwerkraft. Wir können nicht fliegen wie ein Vogel. Wir werden beim Aufprall nicht abgefedert wie eine Katze. Wir fallen und landen – manchmal härter als gesund ist. Da das Abstürzen noch immer eine der häufigsten Todesursachen bei Arbeiten auf Dächern ist, ist diese Angst vor einer gewissen Höhe ein wichtiges Thema. Aber wie kann man die Angst vor dem Fallen überwinden, um sicher in größeren Höhen arbeiten zu können?

Ursachensuche
Um das herauszufinden, müssen wir uns als erstes folgende Frage stellen: „Sollte ich überhaupt meine Angst vor dem Fallen überwinden?“. Wenn Sie eine irrationale Angst davor haben, die Sie lähmt und verhindert, dass Sie Ihre Arbeit ordnungsgemäß verrichten können, dann sollten Sie zweifellos Ihre Angst überwinden. Bevor wir aber davon ausgehen können, dass dies der Fall ist, sollten Sie zuerst verstehen, warum Sie diese Angst haben:

  • Verspüren Sie diese Angst, wenn Sie sich auf einem Dach befinden, welches vollständig von Geländern umgeben ist oder nur dann, wenn Sie dazu aufgefordert werden, auf einer Dachkante ohne Absturzsicherung zu arbeiten?
  • Tritt diese Angst auf, wenn Sie auf eine ordnungsgemäß gesicherte Leiter steigen oder nur dann, wenn Sie eine Leiter hochklettern, die bei jedem Schritt wackelt?
  • Verspüren Sie diese Angst, wenn Sie angemessen an einer Hub-Arbeitsbühne gesichert werden oder nur dann, wenn Sie keine Gurte zur Verfügung haben und ungesichert hochfahren?
  • Tritt diese Angst vor dem Fallen auf, wenn Sie auf einer Maschine stehen und der Teil, in dem Sie hereinfallen könnten mit einem Geländer abgesichert ist oder nur dann, wenn es keine Geländersicherung am offenen Teil der Maschine gibt?

Wie Sie an den Fragen erkennen, kann eine starke Angst vor dem Abstürzen auch infolge von unzureichendem Absturzschutz zustande kommen. Wenn Sie ausreichend gesichert sind, werden Sie vielleicht gar keine Angst verspüren. Vielleicht ist Ihre „Phobie“ einfach nur Ihr Unterbewusstsein, das Ihnen mitteilen möchte, dass etwas nicht stimmt – dass das, was Sie tun, gefährlich ist. Beachten Sie diese Warnung und beurteilen Sie Ihre Situation. Stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend geschützt sind, bevor Sie fortfahren.

Medizinische Ursachen
Höhenängste können auch ein medizinisches Problem sein. Bei einer extremen Höhenangst sollten Sie also unbedingt mit Ihrem Arzt sprechen. Wenn der Körper zum Beispiel nicht in der Lage ist, angemessen das Gleichgewicht zu halten (z.B. aufgrund einer Verletzung des Innenohrs), kann dies auch der Grund für eine resultierende Höhenangst sein. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und finden Sie heraus, wie die Symptome behandelt werden können. Falls Sie Medikamente bekommen sollten, dann klären Sie mit dem verschreibenden Arzt, ob diese Nebenwirkungen haben, die Ihre Arbeit beeinflussen (z.B. Schwindel, Sehbeeinträchtungen) und auch andere Menschen um Sie in Gefahr bringen könnten. Eine populäre Formulierung in der Packungsbeilage, die auch mit Ihrer Angst in Verbindung stehen kann, ist: "Sie dürfen keine schweren Maschinen bedienen oder ein Kraftfahrzeug führen."

Psychische Ursachen
Wenn Ihre Angst selbst unter den besten Bedingungen auftritt, dann sollte diese Höhenangst bzw. die Angst vor dem Fallen behandelt werden. Natürlich könnten Sie immer eine Arbeit annehmen, bei der Sie nicht in der Höhe arbeiten müssen (und um ehrlich zu sein sollten Sie diese Möglichkeit in Betracht ziehen, wenn Sie wirklich starke Höhenangst haben). An dieser Stelle gehen wir aber davon aus, dass dies nicht der Fall ist. In der modernen Psychotherapie nutzt man z.B. die Methode der systematischen Desensibilisierung. Hierbei geht es darum, den Betroffenen mit der Angst auseinandersetzt, um diese zu verstehen und mögliche Ursachen zu erforschen. Oft sind es traumatische Erfahrungen, wie ein schmerzhafter Sturz in der Kindheit, die uns gelehrt haben, in der Höhe vorsichtiger zu sein. Das Unterbewusstsein spielt dabei eine große Rolle, denn hier geht es um mehr als rationale Fakten und vorhandene sichtbare Absturzsicherungen. Das Gefühl sich selbst etwas nicht zuzutrauen, wenn man Angst hat, ist eine unterbewusste Erinnerung an bereits erlebtes oder gesehenes und kann uns oft in unserem Lernverhalten einschränken. Das bedeutet, eine Verhaltenstherapie kann möglicherweise Schritt für Schritt die Angst vor dem Fallen nehmen, indem man sich wiederholt in einem sicheren Umfeld damit konfrontiert. Selbstverständlich heißt das nicht, dass Sie sofort immer höheren Höhen ausgesetzt werden sollen, sondern vielmehr, dass Sie sich langsam steigern – sowohl in der Höhe als auch in dem Zeitraum, den Sie in der Höhe verbringen.

Keine Notwendigkeit einer Psychotherapie
Wenn Ihnen mitgeteilt wird, dass Ihre Angst nicht bedenklich ist und eher ein gesunder Respekt vor der Höhe ist, können Sie selbst mit einfachen Techniken Ihre Angst lindern.
Finden Sie zuerst heraus, ab welcher Höhe Sie nervös werden. Hier können Sie gut ansetzen. Ganz gleich, ob es auf einer Scherenhebebühne, einer hydraulischen Arbeitsbühne, einer Arbeitsplattform oder in einer anderen Höhe ist, zwingen Sie sich, dies Höhe, ab der Sie nervös werden, zu erreichen und dort für eine kurze Zeit zu verharren. Versuchen Sie, sich von der Tatsache, dass Sie sich in der Höhe befinden, abzulenken. Sie können das tun, indem Sie den Blick schweifen lassen (wobei das anfangs sicher nicht die beste Lösung ist, da die visuellen Hinweise daran erinnern, dass Sie sich in der Höhe befinden), indem Sie mit der Person sprechen, die Ihnen bei der Übung hilft oder indem Sie versuchen, Arbeiten zu erledigen. Stellen Sie immer sicher, dass alle notwendigen Absturzsicherungen vorhanden sind. Erinnern Sie sich ständig daran, dass Sie geschützt sind – dass die Geräte überprüft wurden sind – und dass die Maschine ordnungsgemäß betrieben wird. Wenn Ihnen alles zu viel wird, dann kommen Sie wieder nach unten. Beim nächsten Mal versuchen Sie, etwas länger oben zu bleiben. Wenn Sie sich dann in der Höhe wohl fühlen, erhöhen Sie Ihren Standort. Behalten Sie aber im Hinterkopf, dass diese Technik sehr zeitaufwendig ist und Sie das wahrscheinlich nicht während Ihrer Arbeitszeit üben können.

Weitere Maßnahmen
Wenn Sie in der Höhe arbeiten und sich noch immer nicht einhundertprozentig wohl fühlen, dann schauen Sie nach weiteren Absturzsicherungsoptionen. Es gibt nichts dagegen einzuwenden, die vorgeschriebenen Absturzsicherungsmaßnahmen zu erweitern.
Wenn Sie zum Beispiel Angst davor haben, selbst über das Geländer fallen zu können, dann sichern Sie sich zusätzlich mit einer PSAgA. Tun Sie alles, was notwendig ist, um sich sicher und wohl zu fühlen. Versuchen Sie auf keinen Fall ihre Angst zu ignorieren. Auch wenn es ihnen vielleicht unangenehm oder peinlich ist, sollten Sie Ihre Angst bei Ihrem Vorgesetzten ansprechen. Denn wenn Sie trotz Unsicherheit und lähmender Angst in der Höhe arbeiten, bringen Sie nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr, wenn Sie sich nicht auf Ihre Aufgaben konzentrieren können. Im schlimmsten Fall könnten Sie ohnmächtig werden und dabei abstürzen, wovor Sie sich die ganze Zeit gefürchtet hatten.

Am Ende können nur Sie selbst einschätzen, inwieweit und wie stark die Angst in der Höhe ein Problem darstellt. Sprechen Sie darüber und bitten Sie, nach Möglichkeit, darum, in einem anderen Bereich eingesetzt zu werden, bis Sie Ihre Höhenangst unter Kontrolle haben. Wenn Sie vermuten, dass ein Mitarbeiter diese Angst hat, dann sprechen Sie mit ihm. Wenn Sie sich weigern, Ihre Höhenangst anzuerkennen, dann bringen Sie sich und alle um Sie herum tatsächlich in Gefahr!

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